In meinem Auslandssemester in Stockholm (August 1997 - Februar 1998) habe ich damals vor acht Jahren noch sehr den Kopf geschüttelt darüber, dass dort in Stockholm jeder und ich meine wirklich JEDER mit einem Handy am Ohr durch die Gegend lief. Nicht nur (vermeintliche) Geschäftsleute, sondern auch Studenten und junge Mütter mit Kinderwagen. Nie, nie, NIE im Leben würde ich mich so sehr von so einem technischen Schnickschnack abhängig machen, hab ich mir damals vorgenommen. Und warum überhaupt sollte ein Normalbürger von unterwegs telefonieren müssen? Nee, nee, ohne mich. Diesen Vorsatz habe ich immerhin gut zwei Jahre durchgehalten bis ich im April 2000 dann doch auch einen Handy-Vertrag abgeschlossen.
Gerade eben hab ich kurz nach Mitternacht online meinen Vertrag zum 3. Mal verlängert und ich haben diesen Tag (15.11.) schon seit Wochen herbeigesehnt. Das alte Handy funktioniert zwar noch wunderbar, hat aber keine integrierte 1,3 Megapixel Digitalkamera. Die brauche ich aber nun, weil meine Digicam vor Wochen den Geist aufgeben hat und ich mir eine neue Digicam im Moment GAR nicht leisten kann, ein neues Handy aber nun aber eh anstand. Und bei der Vertragsverlängerung ist es sogar für 30€ zu haben anstatt für 50€, die es bei einem Neu-Abschluss kosten würde. Und auch die Ausstattung neben der Digitalkamera ist nicht zu verachten: Radio, Mp3 Player, natürlich WAP-fähig und vieles mehr. Und telefonieren kann man damit selbstverständlich auch :-)
Wenn ich mal so an meine damalige Sicht der Dinge zurückdenke, weiß ich nicht, ob ich damals naiv war. Oder danach irgendwann zu inkonsequent, meine Linie durchzuhalten. Aber irgendwie erschrickt es mich doch manchmal, dass mir, wenn ich ohne Handy unterwegs bin, irgendwas fehlt. Ich bin auch schon einige Male zurück in meine Wohnung, weil ich gemerkt hab, dass ich mein Handy vergessen habe. Dabei telefoniere ich kaum damit. Ich bin mehr der SMS-Typ und selbst da schicke ich schon lange nicht mehr so viele wie in den Anfangsjahren. Es gibt wirklich wenige Momente in denen ich das Handy wirklich dringend bräuchte um jemanden anzurufen oder um einen dringenden Anruf entgegenzunehmen. Und von unterwegs ins Internet zu gehen muss man eigentlich auch nicht können. Aber ich glaube, ich könnte auf Handys mit all ihren Funktionen inzwischen schwer verzichten. Und irgendwie macht mir das ein bisschen Angst.
Natürlich erleichert ein Handy den Alltag. Oder kann ihn zumindest erleichern. Über ein paar Klicks über WAP zu erfahren, wieviel Minuten Verspätung der Zug hat, weil natürlich am Bahnhof keine Durchsage kommt. Und dann durch ein paar weitere Klicks eine alternative Zugverbindung rauszufinden. Kurz zu Hause anrufen und fragen, ob mich jemand am Bahnhof abholt.
Aber auf der anderen Seite verflacht doch einiges an Kommunikation oder Aktion generell. Und ich fürchte mit einem Foto-Handy mache ich noch viel mehr unsinniges Zeug, wenn ich unterwegs bin und mich langweile.
Ich weiß auch nicht... irgendwie ist es schon komisch, wenn etwas, was man damals noch vehement abgelehnt hat, nun auf einmal zu einem unverzichtbaren Utensil geworden ist. Hab ich mich zu sehr verändert? Oder einfach nur die Welt um mich herum? Und dass ich mich gerade frage, ob man bei twoday.net auch mobloggen kann, sollte mir in der Tat zu denken geben.
Wie auch immer: So sieht mein neues Handy also aus. Und sobald es in den nächsten Tagen / Wochen bei mir angekommen ist, kann ich dann auch endlich mal wieder mein Blog bebildern. Gerade bei den Fundstücken hab ich es echt vermisst und da ist eine Handy-Kamera eh viel praktischer als eine Digicam. Denn das Handy hab ich schließlich immer mit dabei... siehe oben :-)
