Ich war heute Vormittag mit meiner Mom in der Stadt, weil sie sich beim Juwelier unser Weihnachtsgeschenk aussuchen wollte bzw. wir eben vereinbart hatten, dass wir ihr das zahlen. Meine Mom meinte, sie bräuchte dafür nicht so viel Zeit, aber schon als wir vorm Schaufenster standen, merkte ich, dass wir es vor ihrem Zahnarzt Besuch sicher nicht schaffen würden, was meine Pläne mal eben kurz über den Haufen werfen würde. Ok, soll dann wohl so sein...
Bevor wir aber erst mal die weitere Zeitplanung vereinbaren konnten, liefen uns ein Paar aus dem Bekanntenkreis meiner Mom bzw. unserer Familie über den Weg. Natürlich wurde erst mal gequatscht über Kinder und Enkel und Preise für Weihnachtsgeschenke. Da wir vor der Auslage mit den nicht ganz so billigen Schmuckstücken standen, fühlte meine Mutter sich an eine dieser "was man mit Kindern erlebt" Anekdoten erinnert, an die man sich als Kind NIE selbst erinnert und sie - wenn überhaupt - nur aus den wiederholten Erzählungen kennt. Diese hatte ich aber wirklich noch nicht mal gehört. Aber nun weiß ich, dass ich vor über 25 Jahren bei einem Spaziergang auf der Kö in Düsseldorf ganz fassungslos meinen Eltern mitgeteilt hab, dass dieser Teppich in einem Schaufenster so viel kostet wie ein Auto. Damals - wie heute! - gab es großes Gelächter über dieses aufgeweckte Kind.
Schon als meine Mom mit der Geschichte anfing, wusste ich, was unsere Bekannte jetzt wieder erzählen würde. Ich treffe sie wirklich nur alle paar Jahre mal bei größeren Festen von gemeinsamen Bekannten und IMMER erzählt sie diese Geschichte. An die ich mich ebensowenig erinnere wie an die Geschichte mit dem Teppich.
Ach, ich weiß das noch, du warst damals so groß (und sie hält ihre Hand irgendwo in Höhe des Oberschenkels) und ihr kamt mal zu uns und du hattest so ein süßes roten Mäntelchen an. Mit so einer Kapuze, du sahst aus wie ein kleiner Nikolaus.
Ich übe mich in meinem unverbindlichsten Lächeln. Was soll ich auch sonst noch dazu sagen?
Die Bekannten verabschieden sich, meine Mom auch zu ihrem Zahnarzt Termin und da ich keine große Lust hab, nachmittags oder später noch mal mit ihr in die Stadt zu gehen, vereinbaren wir, dass ich nur kurz ein paar kleine Besorgungen erledige (Bank, Post) und wir uns dann wieder beim Juwelier treffen. Die Sache beim Zahnarzt ist eine Sache von maximal 5 Minuten, sagt sie.
Ich hab meine Besorgungen erledigt und stehe 20 Minuten später wieder beim Juwelier. Von meiner Mom keine Spur. Es ist kalt, es ist windig und der einsetzende Schneeregen macht es echt ungemütlich. Die Uhr tickt unermüdlich weiter. Leider sind alle Läden in denen ich noch was zu besorgen hätte weiter weg, so dass ich da jetzt nicht hin kann. Im Elektroladen nebenan kann man auch nur zeitlich sehr begrenzt bummeln, also bei Fernsehern, DVD Rekodern, Computern, Waschmaschinen und Kühlschränken gibt's nicht wirklich viel Interessantes zu schauen.
Zum Aufwärmen hole ich mir sogar eine Kleinigkeit vom Bäcker. Von meiner Mom auch dann noch immer keiner Spur. Ich führe
innere Monologe mit mir selbst und ärgere mich ein bisschen drüber, dass sie kein Handy hat und auch keins haben will. In solchen Momenten wäre es doch sehr hilfreich, einfach um sich zu einer anderen Zeit zusammenzufinden. Gott sei Dank fällt mir ein, dass ich die Nummer unseres Zahnarzt im Handy hab. Als ich dort anrufe, war meine Mom gerade weg und prompt stand sie dann auch bald vor mir. Mit leicht schlechtem Gewissen, dass hat es ja dann wieder wett gemacht. Und sie konnte ja nicht wissen, dass es doch länger dauerte beim Zahnarzt.
Wir haben also dann doch einen schönen Anhänger ausgesucht und zurücklegen lassen, denn ich kann das ganze Geld erst mal nicht vorstrecken, sondern muss erst mal bei Bruder 1-3 einsammeln gehen bzw. vielleicht geht direkt einer von ihnen dann und holt es beim Juwelier ab.
Heute Nachmittag fahren wir noch mal zusammen "Schuhe kaufen", in erster Linie noch mal ein Weihnachtsgeschenk für mich. Mal sehen ob's wieder was zu bloggen gibt :-)