Tja, nun ist es also doch mal wieder so weit. Da
meine Beschwerden nicht verschwunden sind, hab ich den für Montag eventuell geplanten Besuch bei meinem Neurologen vorgezogen. Und trotz sehr vollen Wartezimmers und ohne Termin hab ich gar nicht soooo lange warten müssen. Knapp zwei Stunden sind da schon wirklich schnell :-)
Die Nervenmessungen haben keine Veränderung ergeben und waren rechts eigentlich sogar besser als links, aber meine subjektiv empfundenen Beschwerden sind nun mal da. Und die glaubt mein Neuro mir auch, wenn ich sie ihm bei der obligatorischen Untersuchung schildere, wenn er mich an diesen Stellen pickst, meine Kraft testet usw usf.
Also: Ran an den Cortison Tropf. 1000mg in 1000 ml Kochsalz-Lösung. Nach zwanzig Minuten setzte - wie immer - der widerliche Metall-Geschmack im Mund ein, als ob man permanent an einem alten rostigen Pfennigstück lutscht. Mal schauen wieviel ich zunehme in den nächsten Tagen, weil ich versuche diesen Geschmack durch alles mögliche zu überdecken. Käsecroissant funktioniert überraschend gut, hab ich heute Mittag am Hbf dann direkt gemerkt.
Morgen und Übermorgen werde ich also meine späten Vormittage in der Notaufnahme im Krankenhaus verbringen um mich da an den Tropf legen zu lassen und dann Montag / Dienstag noch mal bei meinem Neurologen und dann sind die Beschwerden hoffentlich auch bald weg. In der Apotheke konnte ich dann für das ganze Zeug auch erst mal wieder 35€ Zuzahlung auf den Tisch legen und dann 10 Kilo nach Hause schleppen. DANKE Pharmaindustrie für eure Verpackungs-Strategie. Das Cortison gibt's nur in Einzelpackungen (obwohl eigentlich 3x oder 5x Infusionen Standard sind) bei der für jede Packung 5€ Zuzahlung fällig sind. Die Kochsalzlösungen gibt es hingegen nur im 10er Pack. (Sinnvoll bei 3x oder 5x Standard)
Meine Teilnahme an unserer Grünen Haushaltsklausur am Wochenende hab ich somit auch absagen müssen und diese Gelegenheit mal genutzt mich und meine Krankheit endlich mal zu "outen". Ich hab das aus eher anstregenden Erfahrungen der frühen Jahre dann später eher für mich behalten. Und zu welchem Anlass soll man so was auch erzählen, also so aus heiterem Himmel ja doch auch nicht.
Dies war nun mal ein guter Anlass und ich hab also unsere Medizinerin angerufen, weil ich wusste, dass die sehr locker und entspannt reagieren wird und den anderen das morgen auch sachlich und undramatisch erklären kann und wird. Die war echt cool, hat mir erst mal von den tausend anderen MS Fällen in ihrem Bekanntenkreis erzählt, die damit auch schon lange relativ problemlos leben und nach meiner Schilderung auch mal eben die telefonische Ferndiagnose "günstiger Verlauf" gestellt.
Für mich selbst ist es irgendwie ganz positiv und überraschend (wenn man es überhaupt so nennen will in diesem Zusammenhang) dass ich mir zum ersten Mal wirklich wohl auch die nötige Ruhe und Entspannung gönne, was mir bei anderen Schüben doch manchmal sehr schwer gefallen ist. Unvernünftig eigentlich, aber ich hatte immer das Gefühl ich muss doch so weiter machen und "funktionieren" wie eben zu schubfreien Zeiten auch. Bzw. hab mich geärgert, wenn ich es nicht so konnte.
Diesmal bin ich aber z.B. einfach wirklich in langsamem Schritten durch die Welt spaziert, was bei meinem sonstigen Schritt-Tempo wirklich was heißen will. Ich hab mich heute Nachmittag in meinen Sessel gekuschelt und endlich die englische Version "The American President" angeschaut, die schon seit Wochen hier rum liegt und werde die diversen anderen "willst du noch zu bloggen" Stichworte auch einfach mal Stichworte sein lassen. So wichtig und dringend ist das alles gar nicht. Und wenn ich so was übers Bloggen sage, soll das schon was heißen.