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22
Jul
2006

Verschwundene Erinnerungen

abgelegt unter: Mein Leben & ich

Ich lese gerade "Meines Vaters Land" von Wibke Bruhns und sie erzählt dort die Geschichte ihres Vaters, den sie nie wirklich kennengelernt hat, weil er im Dritten Reich als Hochverräter hingerichtet wurde, als sie gerade mal sechs Jahre alt war. Relativ früh schreibt sie.

Er singt also, der Vater – Kantaten, Gassenhauer, den ganzen Zupfgeigenhansl rauf und runter, nicht zu vergessen die vielen Familienlieder. Aber ich kenne seine Stimme nicht. Nie gehört, behaupte ich, obwohl das gar nicht sein kann, er wird schon mal was zu mir gesagt haben, dem kleinen Mädchen. Er hat mir bestimmt auch was vorgesungen, wenn er – mal – nach Hause kam aus dem Krieg.
Und ich dachte: "Wie traurig." Und dann hab ich ein bisschen überlegt und hab mit großem Bedauern festgestellt, dass ich mich auch nicht mehr sehr deutlich an die Stimme meines Vaters erinnere. Ich hab ganz dunkel eine eher tiefe Stimme im Ohr, aber nichts Genaueres, nichts Konkretes.

In der naiven Hoffnung, dass es mir mit vielleicht allen Stimmen so geht – obwohl ich genau weiß, dass das nicht so ist - rufe ich mir andere Momente in Erinnerung mit allen möglichen Leuten, Verwandten, Bekannten, Freunden. Deren Stimmen hab ich im Ohr. Egal was ich ihnen in den Mund lege, ich höre sie in meiner Vorstellung ziemlich deutlich mit den ihnen eigenen Stimmen.

Ich überlege weiter und versuch meinem Vater in meiner Erinnerung irgendwelche Sätze in den Mund zu legen, um mich an seine Stimme zu erinnern und merke mit noch größerem Bedauern, dass mir kein Satz oder kein Moment einfällt, von dem ich 100% sicher wüßte, dass er es mal genauso zu mir gesagt hätte oder der Moment genauso passiert wäre.

Irgendwann in den letzten 17 Jahren ist mir wohl nicht nur seine Stimme verloren gegangen. Und das finde ich wirklich traurig.

Gelesen: Seide (Alessandro Baricco, 1996)

abgelegt unter: Mediales

Ich hab die Geschichte nun schon 2 x vorgelesen bekommen – also nicht ich persönlich, bzw. nicht ich alleine, sondern in Form einer wirklich schönen Lesung – und dachte mir, es wäre doch mal nett, es mal komplett zu lesen. Und das war es auch. Ein wirklich schöne Geschichte über "das Glück und seine Unerreichbarkeit". Und wunderschön erzählt. Zwischendurch war ich zwar etwas irritiert, weil ich die Stimmen der Lesenden im Kopf hatte, aber das tat dem Lesevergnügen keinen Abbruch. Im Gegenteil :-)
So beginnt die Geschichte...

Obgleich sein Vater eine glänzende Militärlaufbahn für ihn ins Auge gefasst hatte, bestritt Hervé Joncour seine Lebensunterhalt schließlich mit einer ungewöhnlichen Beruf, dem ironischerweise zudem ein so liebenswerter Zug anhaftete, dass er eine unbestimmte weibliche Färbung verriet.
Für seinen Lebensunterhalt kaufte und verkaufte Hervé Joncour Seidenraupen.
Es war das Jahr 1861. Flaubert schrieb gerade "Salammbô", das elektrische Licht war noch graue Theorie, und Abraham Lincoln führte jenseits des Ozeans einen Krieg, dessen Ende er nie erleben sollte.
Hervé Joncour war zweiunddreißig Jahre alt.
Er kaufte und verkaufte.
Seidenraupen.

...und so beginnt Seite 98.

[Eine ste]chende Sommersonne schien auf die Kornfelder und auf die ganze Welt. Ihm gegenüber saß ein russischer Kaufmann: Er hatte sich die Schuhe ausgezogen und fächelte sich mit der letzten Seite einer deutschsprachigen Zeitung Luft zu. Hervé Joncour nahm ihn genauer ins Visier. Er sah auf die Schweißflecken auf seinem Hemd und die Tropfen, die ihm von der Stirn und Hals perlten. Der Russe sagte etwas und lachte. Hervé Joncour lächelte ihn an, stand auf, nahm sein Gepäck und verließ den Zug. Er ging bis zum letzten Waggon, einem Güterwagen, der Fisch und Fleisch auf Eis gelagert transportierte. Aus ihm sickerte Wasser wie aus einem von tausend Kugeln durchlöcherten Bassin.

defekte SIM Karte

abgelegt unter: Mein Leben & ich

Der Tag fing schon gut an. Ich schalte mein Handy an

"SIM Karte nicht einsatzbereit".

Oder so ähnlich. Zumindest eine andere Meldung als das normale "SIM Karte noch nicht bereit." Da sich dann auch nach einer Weile nichts tat, hab ich mal die Karte rausgenommen und wieder eingesetzt. Handy wieder angeschaltet, PIN Code eingegeben.

"Benutzung des Telefons nur eingeschränkt möglich. - Aufheben?"


Ja, sehr gerne.

"Beschränkungs-Code eingeben".

Häh? Ok, alle möglichen Codes durchprobiert. Den PUK Code, den ich zum Glück noch gefunden habe. Den Standard Handy Entsicherungscode und verschiedene Code-Nummern, zu denen ich den Standard Code vielleicht geändert haben könnte, wobei ich mir sehr sicher war, dass ich das überhaupt nicht getan habe.

Gerade eben hab ich dann mit dem Handy von Bruder #3 den "Kreuz-Test" gemacht. (So heißt es wohl, wie ich von der Hotline später erfahren habe.) Seine Karte funktioniert in meinem Handy, aber meine nicht in seinem. Da war's dann klar. SIM Karte im Eimer.

Immerhin war die 0,62€/min Hotline für die Online Kunden bei O2 gut besetzt und nach 1min und 37 Sekunden war die Bestellung einer neuen SIM Karte erledigt.

Fazit: Ich bin die nächsten Tagen nicht per Handy oder SMS erreichbar, was mich schon irgendwie etwas beunruhigt. Albern, denn früher ging's ja auch ohne. Aber damals lebten alle ohne Handy, da war das der Normalfall. Und dabei telefoniere ich gar nicht so viel mit dem Handy oder kommuniziere so viel per SMS. Aber dennoch. Ich hoffe also, die Leute, die vielleicht in den nächsten Tagen versuchen mich per Handy zu erreichen, sind nicht beleidigt, wenn ich mich nicht direkt sofort zurückmelde.

Es bleibt nur zu hoffen, dass die SIM Karte direkt Montag oder Dienstag bei mir eintrudelt. Und dann darf ich schön alle Nummern wieder eintippen, wenn ich sie denn überhaupt irgendwo anders notiert habe. Aber dann fliegen halt endlich auch mal ein paar "Karteileichen" raus. Auch nicht das Schlechteste.

So, jetzt wartet mal wieder die Hängematte. Allerdings ohne Musik. Denn mein Handy ist ja mein mp3 Player *grummel*
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