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27
Aug
2006

Gelesen: We need to talk about Kevin (Lionel Shriver, 2003)

abgelegt unter: Mediales

Als ich von diesem Buch gehört oder gelesen hatte, hat mich die Idee und die Art und Weise in der diese Geschichte erzählt wird, einfach fasziniert. Und mit meiner Vorliebe für englische Originale hab ich mich dann - nach kurzem Test-Lesen in einer Buchhandlung - auch an das Original gewagt. Was in diesem Fall vielleicht nicht die klügste Entscheidung war, denn es war manchmal nicht ganz so einfach zu verstehen. Aber nun gut, es war meine Entscheidung und mein Englisch war und ist dann wohl doch gut genug. Ich würde aber aus dieser Erfahrung heraus anderen wohl doch den Rat geben, es besser in der deutschen Übersetzung zu lesen. Aber genug der Vorreden...

In "We need to talk about Kevin" schreibt Eva an ihren Mann und Vater ihres Sohns Kevin, nachdem Kevin in seiner Schule ein Massaker angerichtet und neun Personen ermordet hat. Schonungslos und erschreckend ehrlich erzählt sie ihrem Mann - und dem Leser - von ihrem Leben vor Kevin, von ihren Schwierigkeiten bzw. ihrer Unfähigkeit ihren Sohn zu lieben und von ihrer Sicht auf ihr Leben, denn es wird bald klar, dass Kevins Vater eine ganz andere Sicht auf dieses gemeinsame Leben und seine Familie hat.

Zu Beginn hatte ich ein paar Probleme mich in die Geschichte hineinzufinden, was zum einen vielleicht an der Sprach-Barriere lag und zum anderen daran, dass Eva zwar im Großen und Ganzen chronologisch erzählt, aber manchmal doch aktuellere Geschehnisse aufgreift und dann wieder zur Chronologie zurückspringt.
Spätestens mit Kevins Geburt hat mich die Erzählung dann jedoch doch sehr gepackt und ich muss mich hier echt zusammenreißen, um nicht zu viel zu erzählen, weil das a) ausufern und b) zu viel verraten würde. Aber ich war schlichtweg gefesselt, weil es so erbarmunglos offen und auch sehr selbstkritisch erzählt ist und weil mir als Leser so viele Fragen in den Sinn kamen. Was ist der "richtige" Grund ein Kind in die Welt zu setzen? Inwieweit ist man als Mutter / Vater für die Entwicklung seiner Kinder verantwortlich? Wer trägt die Schuld an so einem Massaker? Kommen alle Menschen erstmal grundsätzlich gut - im Sinne von unschuldig - zur Welt? Oder gibt es vielleicht wirklich Menschen, die von Geburt an bösartig sind? Denn Kevin ist bösartig. Von Geburt an.

Und wie seine Mutter dies erlebt und wie sie damit lebt, ist zum Teil der pure Horror. Aber dieser Horror ereignet sich zum Teil sehr subtil in Alltagsgeschichten, die uns allen passieren könnten und das macht diese Geschichte so erschreckend. Manche Ereignisse werden gar nicht im Detail erzählt, weil eben auch nicht endgültig geklärt werden kann, welchen Anteil oder Schuld Kevin an diesen Ereignissen hat. Aber hin und wieder haben alleine die Andeutungen ausgereicht, um mir Schauer über den Rücken zu jagen.
Es gibt einige wenige Momente, in denen sie ihrem Sohn auch emotional ein bisschen näher kommt und die sind deswegen so bewegend, weil sie a) so selten sind und b) man eine winzige Ahnung davon bekommt, wie es in diesem Jungen aussieht. Bzw. man eben miterlebt, wie seine Mutter diese winzige Ahnung bekommt und wie schwer es ihr fällt, damit klar zu kommen, dass es wohl nur bei dieser winzigen Ahnung bleiben wird.

Ich könnte jetzt noch ohne Ende weiterschreiben, aber ich weiß nicht, ob ich das, was ich über dieses Buch sagen möchte, überhaupt in verständliche Worte fassen kann und deswegen lasse ich es besser. Aber in den letzten Jahren ging mir definitiv keine Erzählung so sehr unter die Haut wie diese. Und wie die Geschichte aufgebaut und erzählt ist, ist einfach nur grandios!
So beginnt die Geschichte...

Dear Franklin,
I'm unsure why one trifling incident this afternoon has moved me to write to you. But since we've been seperated, I may most miss coming home to deliver the narrative curiousities of my day, the way a cat might lay mice at your feet: the small, humble offering that couples proffer after foraging in seperate backyards. Were you still installed in my kitchen, slathering crunchy peanut butter on Branola though it was almost time for dinner, I'd no sooner have put down my bags, one leaking a clear viscous drool, than this little story would come tumbling out, even before I chided that we're having pasta tonight so would you please not eat that whole sandwich.

...und so beginnt Seite 98.

[....] imaging a more delightful occupation than professional globetrotting stirring my nostalgia for a life already growing distant. She ignited the same pride that I hoped Kevin would some day kindle, when he got old enough to appreciate his parents' accomplishments. I'd already indulged the odd fantasy whereby Kevin would pore over my old photograph, asking breathless "Where's this? What's that? You've been to AFRICA? Wow!" But Shioban's admiration proved cruelly misleading. Kevin did pour over a box of my photographs once - with kerosene.
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