Neuer Feminismus
abgelegt unter: Politik & GesellschaftPassend zu dem Cartoon aus "Madame Secretary - A Memoir" hab ich dann heute einen schönen Artikel in der ZEIT gelesen zur Notwendigkeit eines "neuen Feminismus". Im Moment ist dieses Thema ja unter anderem dank Eva Herman in aller Munde und Susanne Gaschke hat in "Es ist die Wirtschaft, meine Damen" ein paar sehr schöne Gedanken zu dem Thema zu Papier gebracht, die mir in dieser Klarheit selbst noch gar nicht so gekommen waren. Aber ich muss die ZEIT ja auch nur lesen und nicht mit Inhalten füllen *g*
Natürlich ist genau DER Artikel online nicht verfügbar... also mal schnell die Passage abgetippt. Zur Tatsache, dass insbesondere in den Führungsetagen der großen (und mittelgroßen) Unternehmen so wenig Frauen vertreten sind...
In den Vorständen der 30 größten DAX-Unternehmen ist nach wie vor nur eine einzige [Frau] vertreten, im höheren Management wird der Frauenanteil auf fünf, im mittleren mit gutem Willen auf elf Prozent geschätzt. Nun macht natürlich nicht jede Frau automatisch Politik für andere Frauen, für Familienfreundlichkeit oder eine menschlichere Arbeitswelt - aber mindestens als Vorbilder fehlen sie schmerzlich, die weiblichen Führungskräfte.
Das ist insofern ein Problem, als sich die Wirtschaft in den vergangenen 15 Jahren immer mehr zur Leitsphäre der Gesellschaft aufgeschwungen hat. Politik wird nur mehr danach beurteilt, ob sie "der Wirtschaft" nützt oder schadet; der Einzelne muss sich den Flexibilitätserwartungen der Arbeitgeber anpassen, muss länger im Laden stehen, am Wochenende arbeiten, Lohnverzicht üben - oder seinen Arbeitsplatz riskieren. Wenn in dieser neuen Leitsphäre Frauen nun im Verhältnis zu fast allen anderen Subsystemen der Gesellschaft so hartnäckig und deutlich unterrepräsentiert sind, kommt das einem Rückschritt der ganzen Gesellschaft gleich.
Und für mich besonders interessant war dann auch das Ende des Artikels, in der die Autorin auf einen alten Slogan der Frauenbewegung eingeht, der in den 80er und 90er Jahren nicht mehr so wirklich ernst genommen wurde: "Das Private ist politisch"
[...] um der staatlichen Familienpolitik die richtige Richtung zu geben, muss man politisch sein. Dazu gehört fraglos, sowohl die Lektüre des Politikteils der Zeitung - den immer noch deutlich weniger Frauen als Männer lesen - als auch die Arbeit in Parteien - denen immer noch weniger Frauen als Männer beitreten. Gerne wird für die weibliche Zurückhaltung in dieser Frage die Entschuldigung vorgetragen, Frauen betätigten sich lieber informell, "in Projekten". Pustekuchen! Kein Mensch verändert mit "Projekten" die harte gesetzliche Realität. Frauen sind viel gefährlicher, wenn sie in die Parteien gehen - sie brauchen, wir brauchen freilich Durchhaltevermögen. Alle Verbesserungen des Frauenlebens in den vergangenen hundert Jahren waren Folgen politischer Reformen und gesetzlicher Veränderungen: das Wahlrecht, der Hochschulzugang, das moderne Scheidungs- und Abtreibungsrecht, die Verbesserung der Kinderbetreuung, der Erziehungsurlaub, das neue Elterngeld.
Noch ein Grund mehr, sich ein Ehrenamt andrehen zu lassen :-)
Natürlich ist genau DER Artikel online nicht verfügbar... also mal schnell die Passage abgetippt. Zur Tatsache, dass insbesondere in den Führungsetagen der großen (und mittelgroßen) Unternehmen so wenig Frauen vertreten sind...
In den Vorständen der 30 größten DAX-Unternehmen ist nach wie vor nur eine einzige [Frau] vertreten, im höheren Management wird der Frauenanteil auf fünf, im mittleren mit gutem Willen auf elf Prozent geschätzt. Nun macht natürlich nicht jede Frau automatisch Politik für andere Frauen, für Familienfreundlichkeit oder eine menschlichere Arbeitswelt - aber mindestens als Vorbilder fehlen sie schmerzlich, die weiblichen Führungskräfte.
Das ist insofern ein Problem, als sich die Wirtschaft in den vergangenen 15 Jahren immer mehr zur Leitsphäre der Gesellschaft aufgeschwungen hat. Politik wird nur mehr danach beurteilt, ob sie "der Wirtschaft" nützt oder schadet; der Einzelne muss sich den Flexibilitätserwartungen der Arbeitgeber anpassen, muss länger im Laden stehen, am Wochenende arbeiten, Lohnverzicht üben - oder seinen Arbeitsplatz riskieren. Wenn in dieser neuen Leitsphäre Frauen nun im Verhältnis zu fast allen anderen Subsystemen der Gesellschaft so hartnäckig und deutlich unterrepräsentiert sind, kommt das einem Rückschritt der ganzen Gesellschaft gleich.
Und für mich besonders interessant war dann auch das Ende des Artikels, in der die Autorin auf einen alten Slogan der Frauenbewegung eingeht, der in den 80er und 90er Jahren nicht mehr so wirklich ernst genommen wurde: "Das Private ist politisch"
[...] um der staatlichen Familienpolitik die richtige Richtung zu geben, muss man politisch sein. Dazu gehört fraglos, sowohl die Lektüre des Politikteils der Zeitung - den immer noch deutlich weniger Frauen als Männer lesen - als auch die Arbeit in Parteien - denen immer noch weniger Frauen als Männer beitreten. Gerne wird für die weibliche Zurückhaltung in dieser Frage die Entschuldigung vorgetragen, Frauen betätigten sich lieber informell, "in Projekten". Pustekuchen! Kein Mensch verändert mit "Projekten" die harte gesetzliche Realität. Frauen sind viel gefährlicher, wenn sie in die Parteien gehen - sie brauchen, wir brauchen freilich Durchhaltevermögen. Alle Verbesserungen des Frauenlebens in den vergangenen hundert Jahren waren Folgen politischer Reformen und gesetzlicher Veränderungen: das Wahlrecht, der Hochschulzugang, das moderne Scheidungs- und Abtreibungsrecht, die Verbesserung der Kinderbetreuung, der Erziehungsurlaub, das neue Elterngeld.
Noch ein Grund mehr, sich ein Ehrenamt andrehen zu lassen :-)
Fr, 15.09.06, 22:11 Uhr




