Die Lycidas Triologie ist definitiv eine, die ich besser komplett am Stück gelesen hätte. Aber als mir das
Cover des
ersten Bands damals in der Buchhandlung ins Auge fiel, wusste ich schließlich noch nicht, dass es eine Triologie sein würde.
Band 2 hab ich dann später bald nach dem Erscheinungstermin gekauft, es hat mir aber nicht so gut gefallen wie Band 1. Und deswegen hätte ich Band 3 fast verpennt, aber dann vor einigen Monaten doch gekauft und nun gelesen und das fand ich alles in allem doch wieder ganz gut. Wenn ich mich halt doch nur besser an die Ereignisse aus den vorherigen Bänden hätten erinnern können. Aber das ist mein Schicksal bei solchen Roman-Reihen und vor allem bei Fantasy Geschichten Bei Harry Potter vergesse ich auch so einiges bis der nächste Teil auf dem Markt ist.
Aber genug der Vorreden: In der Stadt der Schornsteine und der unterirdischen Metropole sind zwei weitere Jahre vergangen und es passieren wieder einige unheimliche, die Stadt bedrohende Dinge und wieder stellt sich die Frage, wer dahinter steckt (denn es sind nur augenscheinlich die beiden mächtigsten Familien Manderley und Mushroom) und vor allem wie Emily, Wittgenstein und all ihre Mitstreiter die Stadt retten können. Ich merke gerade, dass jemand der die ersten beiden Bände nicht kennt, das hier alles gar nicht verstehen kann :-)
Die Lycidas Triologie ist eine ungewöhnliche, unterhaltsame Fantasy Triologie, deren Orten und Zeiten einerseits schon den heutigen entsprechen (London des 21. Jahrhunderts), aber andererseits eben dann doch so gar nicht. Es gibt jede Menge klassischer Fantasy Elemente und Akteure, aber was es für mich doch hervorhebt ist der religöse bzw. religionskritische Ansatz des Ganzen. Immerhin dreht sich die grundlegende Haupthandlung um gefallene Engel und so was.
Auf jeden Fall hat mir Band 3 doch wieder gut gefallen nachdem mir die ganze Vampir-Geschichte in Band 2 zu düster war. Und zu blutig :-) Natürlich wird auch hier zum Teil bis aufs Blut gekämpft, aber es hält sich doch noch sehr im Rahmen. Und auch wenn mir einige Vorfälle und Wendungen in der Handlung doch zu sehr an den Haaren herbeigezogen waren, war ich doch wieder mal begeistert von der überbordenden Fantasie des Autors. Die mag zwar manchmal auch über die Stränge schlagen, aber so grundlegende Ideen waren einfach klasse. Wo die verschiedenen gefallenen Engel ihre neuen Himmel errichtet haben zum Beispiel. Gut gefallen hat mir auch, dass man als Leser ebenso wie die Hauptfiguren nie so genau weiß, wem man wie sehr trauen kann. Oder ob nicht einer von denen, denen man traut, vielleicht doch der Verräter ist.
Und nicht zu vergessen ist das ganze auch noch eine bzw. eigentlich sogar zwei sehr süße Liebesgeschichten, deren Ausgang ich hier aber nicht verraten möchte. Aber schön war's. Zum Teil sehr traurig, aber doch schön.
Einziger größerer Kritikpunkt ist - wie auch schon in Band 1 und 2 - die Erzählperspektive, die durch einen allwissenden Ich-Erzähler bestimmt wird. Und für mich widerspricht sich allwissend einfach mit einem Ich-Erzähler. Immerhin hatte ich mich nun in Band 3 dran gewöhnt, aber hin und wieder hat's mich doch noch gestört.
Alles in allem aber doch eine lesenwerte Triologie für Fans von nicht so ganz klassischen Fantasy-Geschichten. Und beim Googlen nach einem Bild des Covers hab ich entdeckt, dass schon Band 1 einer neuen Triologie auf dem Markt ist. Die werde ich aber dann hoffentlich doch erst kaufen, wenn alle drei Bände zu kriegen sind :-)
So beginnt die Geschichte...
Die Welt ist gierig und manchmal umschließen Nebel unsere Herzen, bis wir uns nicht einmal mehr daran erinnern können, wann unsere Träume zu sterben begannen. Emily Laing, die ihren Himmel gefunden zu haben glaubte, war achtzehn, als ihre Mutter starb und die Stadt der Schornsteine von fremden Nebeln heimgesucht wurde, die wie eine Krankheit durch die Straßen flossen und in deren trüben Schattenhaftigkeit sich Allerschlimmstes verbarg.
...und so beginnt Seite 98:
[....] Raum wie ein Duft, und dann legte Emily die Geige an und spielte eine Melodie, die das Flüstern umarmte und in Töne kleidete, die bis zu den Herzen der Menschen vordrangen und dort blieben, weil sie nie mehr verklingen wollten.
Am Morgen des nächsten Tages brachen wir in aller Frühe auf.
"Wir haben eine Verabredung", verkündete ich den beiden Mädchen beim Frühstück.
Dass die beiden keinen Schlaf gefunden hatten, sah man ihnen an.