Gelesen: Seide (Alessandro Baricco, 1996)
abgelegt unter: MedialesIch hab die Geschichte nun schon 2 x vorgelesen bekommen – also nicht ich persönlich, bzw. nicht ich alleine, sondern in Form einer wirklich schönen Lesung – und dachte mir, es wäre doch mal nett, es mal komplett zu lesen. Und das war es auch. Ein wirklich schöne Geschichte über "das Glück und seine Unerreichbarkeit". Und wunderschön erzählt. Zwischendurch war ich zwar etwas irritiert, weil ich die Stimmen der Lesenden im Kopf hatte, aber das tat dem Lesevergnügen keinen Abbruch. Im Gegenteil :-)
So beginnt die Geschichte...
Obgleich sein Vater eine glänzende Militärlaufbahn für ihn ins Auge gefasst hatte, bestritt Hervé Joncour seine Lebensunterhalt schließlich mit einer ungewöhnlichen Beruf, dem ironischerweise zudem ein so liebenswerter Zug anhaftete, dass er eine unbestimmte weibliche Färbung verriet.
Für seinen Lebensunterhalt kaufte und verkaufte Hervé Joncour Seidenraupen.
Es war das Jahr 1861. Flaubert schrieb gerade "Salammbô", das elektrische Licht war noch graue Theorie, und Abraham Lincoln führte jenseits des Ozeans einen Krieg, dessen Ende er nie erleben sollte.
Hervé Joncour war zweiunddreißig Jahre alt.
Er kaufte und verkaufte.
Seidenraupen.
...und so beginnt Seite 98.
[Eine ste]chende Sommersonne schien auf die Kornfelder und auf die ganze Welt. Ihm gegenüber saß ein russischer Kaufmann: Er hatte sich die Schuhe ausgezogen und fächelte sich mit der letzten Seite einer deutschsprachigen Zeitung Luft zu. Hervé Joncour nahm ihn genauer ins Visier. Er sah auf die Schweißflecken auf seinem Hemd und die Tropfen, die ihm von der Stirn und Hals perlten. Der Russe sagte etwas und lachte. Hervé Joncour lächelte ihn an, stand auf, nahm sein Gepäck und verließ den Zug. Er ging bis zum letzten Waggon, einem Güterwagen, der Fisch und Fleisch auf Eis gelagert transportierte. Aus ihm sickerte Wasser wie aus einem von tausend Kugeln durchlöcherten Bassin.
So beginnt die Geschichte...
Obgleich sein Vater eine glänzende Militärlaufbahn für ihn ins Auge gefasst hatte, bestritt Hervé Joncour seine Lebensunterhalt schließlich mit einer ungewöhnlichen Beruf, dem ironischerweise zudem ein so liebenswerter Zug anhaftete, dass er eine unbestimmte weibliche Färbung verriet.
Für seinen Lebensunterhalt kaufte und verkaufte Hervé Joncour Seidenraupen.
Es war das Jahr 1861. Flaubert schrieb gerade "Salammbô", das elektrische Licht war noch graue Theorie, und Abraham Lincoln führte jenseits des Ozeans einen Krieg, dessen Ende er nie erleben sollte.
Hervé Joncour war zweiunddreißig Jahre alt.
Er kaufte und verkaufte.
Seidenraupen.
...und so beginnt Seite 98.
[Eine ste]chende Sommersonne schien auf die Kornfelder und auf die ganze Welt. Ihm gegenüber saß ein russischer Kaufmann: Er hatte sich die Schuhe ausgezogen und fächelte sich mit der letzten Seite einer deutschsprachigen Zeitung Luft zu. Hervé Joncour nahm ihn genauer ins Visier. Er sah auf die Schweißflecken auf seinem Hemd und die Tropfen, die ihm von der Stirn und Hals perlten. Der Russe sagte etwas und lachte. Hervé Joncour lächelte ihn an, stand auf, nahm sein Gepäck und verließ den Zug. Er ging bis zum letzten Waggon, einem Güterwagen, der Fisch und Fleisch auf Eis gelagert transportierte. Aus ihm sickerte Wasser wie aus einem von tausend Kugeln durchlöcherten Bassin.
Sa, 22.07.06, 21:58 Uhr
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