Verschwundene Erinnerungen
abgelegt unter: Mein Leben & ichIch lese gerade "Meines Vaters Land" von Wibke Bruhns und sie erzählt dort die Geschichte ihres Vaters, den sie nie wirklich kennengelernt hat, weil er im Dritten Reich als Hochverräter hingerichtet wurde, als sie gerade mal sechs Jahre alt war. Relativ früh schreibt sie.
Er singt also, der Vater – Kantaten, Gassenhauer, den ganzen Zupfgeigenhansl rauf und runter, nicht zu vergessen die vielen Familienlieder. Aber ich kenne seine Stimme nicht. Nie gehört, behaupte ich, obwohl das gar nicht sein kann, er wird schon mal was zu mir gesagt haben, dem kleinen Mädchen. Er hat mir bestimmt auch was vorgesungen, wenn er – mal – nach Hause kam aus dem Krieg.
Und ich dachte: "Wie traurig." Und dann hab ich ein bisschen überlegt und hab mit großem Bedauern festgestellt, dass ich mich auch nicht mehr sehr deutlich an die Stimme meines Vaters erinnere. Ich hab ganz dunkel eine eher tiefe Stimme im Ohr, aber nichts Genaueres, nichts Konkretes.
In der naiven Hoffnung, dass es mir mit vielleicht allen Stimmen so geht – obwohl ich genau weiß, dass das nicht so ist - rufe ich mir andere Momente in Erinnerung mit allen möglichen Leuten, Verwandten, Bekannten, Freunden. Deren Stimmen hab ich im Ohr. Egal was ich ihnen in den Mund lege, ich höre sie in meiner Vorstellung ziemlich deutlich mit den ihnen eigenen Stimmen.
Ich überlege weiter und versuch meinem Vater in meiner Erinnerung irgendwelche Sätze in den Mund zu legen, um mich an seine Stimme zu erinnern und merke mit noch größerem Bedauern, dass mir kein Satz oder kein Moment einfällt, von dem ich 100% sicher wüßte, dass er es mal genauso zu mir gesagt hätte oder der Moment genauso passiert wäre.
Irgendwann in den letzten 17 Jahren ist mir wohl nicht nur seine Stimme verloren gegangen. Und das finde ich wirklich traurig.
Er singt also, der Vater – Kantaten, Gassenhauer, den ganzen Zupfgeigenhansl rauf und runter, nicht zu vergessen die vielen Familienlieder. Aber ich kenne seine Stimme nicht. Nie gehört, behaupte ich, obwohl das gar nicht sein kann, er wird schon mal was zu mir gesagt haben, dem kleinen Mädchen. Er hat mir bestimmt auch was vorgesungen, wenn er – mal – nach Hause kam aus dem Krieg.
Und ich dachte: "Wie traurig." Und dann hab ich ein bisschen überlegt und hab mit großem Bedauern festgestellt, dass ich mich auch nicht mehr sehr deutlich an die Stimme meines Vaters erinnere. Ich hab ganz dunkel eine eher tiefe Stimme im Ohr, aber nichts Genaueres, nichts Konkretes.
In der naiven Hoffnung, dass es mir mit vielleicht allen Stimmen so geht – obwohl ich genau weiß, dass das nicht so ist - rufe ich mir andere Momente in Erinnerung mit allen möglichen Leuten, Verwandten, Bekannten, Freunden. Deren Stimmen hab ich im Ohr. Egal was ich ihnen in den Mund lege, ich höre sie in meiner Vorstellung ziemlich deutlich mit den ihnen eigenen Stimmen.
Ich überlege weiter und versuch meinem Vater in meiner Erinnerung irgendwelche Sätze in den Mund zu legen, um mich an seine Stimme zu erinnern und merke mit noch größerem Bedauern, dass mir kein Satz oder kein Moment einfällt, von dem ich 100% sicher wüßte, dass er es mal genauso zu mir gesagt hätte oder der Moment genauso passiert wäre.
Irgendwann in den letzten 17 Jahren ist mir wohl nicht nur seine Stimme verloren gegangen. Und das finde ich wirklich traurig.
Sa, 22.07.06, 22:18 Uhr
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