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Wildschaden

abgelegt unter: Mein Leben & ich

Auf der Liste der Dinge, die man nicht erleben möchte, kann ich "ein junges Reh totfahren" nun also abhaken. Allerdings hätte ich auf dieses Erlebnis wirklich gerne verzichtet. Bruder #3 hatte vielleicht Recht, als er dann später meinte: "Das ist der Grund, warum ich zum Ausgehen nie groß unsere Innenstadt verlasse." Zu Fuß auf dem Weg nach Hause wäre uns das nicht passiert. Andererseits kann einem so was zu jeder anderen Zeit nachts oder in der Dämmerung passieren, wenn man aus welchen Gründen auch immer mit dem Auto auf einer Straße außerhalb der Stadt unterwegs ist.
Und bei vorschriftsmäßigen 70 km/h kann man dann einfach gar nicht mehr reagieren, selbst wenn man sieht, wie das Tier auf die Straße springt. Was ICH noch nicht mal gesehen habe und das war vielleicht unser Glück. Denn wenn ich es vor dem Zusammenstoß wahrgenommen hätte, hätte ich sicher irgendwie versucht durch Bremsen oder Ausweichen zu reagieren, auch wenn ich weiß, dass das in einem solchen Fall eigentlich auch nicht immer richtig ist. Weil Bremsen zu Auffahrunfall führen kann. Und Ausweichen dazu dass man im Graben landet oder gegen einen Baum prallt, was bei der Geschwindigkeit dann definitiv erst Recht zu den Dingen gehört, die man nicht erleben möchte.

Trotz allem fühle ich mich irgendwie... scheiße. Die Jungs im Auto haben mir zwar alle noch mehrmals bestätigt, dass ich gar nichts falsch gemacht habe und dass es vielleicht gut war, dass ich das Reh gar nicht erst gesehen habe (siehe oben) und dafür bin ich ihnen wirklich dankbar. Es ändert aber nichts an der Tatsache, dass ein paar Kilometer von hier entfernt jetzt ein totes Reh im Straßengraben liegt.

Natürlich hab ich sofort nach dem Unfall die Polizei angerufen und schon nach ein paar Minuten waren zwei Polizisten da, die den Unfallvorgang aufgenommen und den Schaden begutachtet haben. Mir war dann - obwohl ich mir eigentlich keiner Schuld bewusst war - doch etwas mulmig zumute, weil ich auch gar nicht abschätzen konnte, was das vielleicht noch alles nach sich zieht. Aber da kommt gar nichts mehr, für die Polizei ist der Fall erledigt. Da das tote Reh im Straßengraben kein Hindernis oder sonstige Gefahr für den Verkehr darstellt, haben sie auch den Jagdpächter nicht aus dem Bett gescheucht, sondern sagen ihm erst Morgen Bescheid, dass er es dort abholt.
Und wir müssen uns morgen bei Tageslicht mal den Schaden am Auto anschauen und Bruder #3 wird auch direkt in seiner Werkstatt nachfragen, was die Reperatur wohl kosten wird und dann überlegen, ob er den Schaden selbst bezahlt oder von der Versicherung regulieren läßt. Das hängt v.a. davon ab ob er sonst hochgestuft würde. Mal abwarten. Falls er es selbst bezahlt, werde ich sicher ein bisschen was beisteuern, denn immerhin hab ich am Steuer gesessen und den Schaden verursacht, auch wenn ich gar nichts anderes hätte tun können.

Mann, Mann, Mann, ich bin im Matrix nach knapp 90 Minuten Abtanzen zu 80er Jahre Klassikern so gut gelaunt ins Auto eingestiegen und dann passiert mir so was. Aber der Zeitpunkt für so was ist eigentlich immer der falsche. Wie gesagt: Dinge, die man nicht erleben möchte.

Ich hoffe, nachdem ich das hier jetzt doch erstmal loswerden konnte und der Schock so allmählich von mir abfällt, kann ich nun trotz allem einigermaßen schnell ein- und ruhig durchschlafen. Aber ich fühle mich wirklich scheiße!

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