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7
Sep
2006

Gelesen: Das verborgene Wort (Ulla Hahn, 2001)

abgelegt unter: Mediales

Komischerweise habe ich Ulla Hahn lange lange Zeit mehr so in Richtung "Uta Danella" vermutet. Pilchererske Geschichten und so was :-) Womit ich ja total falsch lag. Wobei ich einige der dicken Pilcher Romane auch gerne gelesen habe. Die arme Frau kann ja nix dazu, dass das ZDF ihre kurzen Erzählungen so ausbeutet. Aber das gehört gar nicht hierher. Warum ich dazu kam dieses Buch von Ulla Hahn zu kaufen, weiß ich auch schon gar nicht mehr. Mir hat's aber auf jeden Fall wirklich gut gefallen, weil es eine ganz andere Welt beschreibt.

Es ist die Geschichte eines jungen Mädchen, geboren 1945 als Kind armer Arbeitereltern im katholischen Rheinland. Dem Mädchen selbst fühlte ich mich sehr schnell sehr verbunden mit ihrer Liebe zu Worten und Sprache und Büchern, aber die Umstände in denen sie aufwächst sind halt so ganz anders. Denn genau mit ihrer Liebe zu Büchern und Worten und Sprache unterscheidet sie sich sehr von ihren Eltern, Nachbarn und Freunden und wie sie diesen Unterschied erlebt und wie sie aufwächst in dieser Nachkriegszeit in einer Welt, die nicht die ihre ist, ist schon sehr unterhaltsam zu lesen.
Zum Ende hin, als die Gedanken von Hilla (die Ich-Erzählerin) hin und wieder ziemlich chaotisch wurden, war mir das zum Teil auch zu chaotisch zu lesen. Aber dennoch hat es mir alles in allem schon ganz gut gefallen.
So beginnt die Geschichte...

Lommer jonn, sagte der Großvater, lasst uns gehen, griff in die Luft und rieb sie zwischen den Fingern. War sie schon dick genug zum Säen, dünn genug zum Ernten? Lommer jonn. Ich nahm mir das Weidenkörbchen untern Arm und rief den Bruder aus dem Sandkasten. Es ging an den Rhein, ans Wasser. Sonntags mit den Eltern blieben wir auf dem Damm, dem Weg aus festgewalzter Schlacke. Zeigten Selbstgestricktes aus der Wolle unserer beiden Schafe und gingen zu Fuss. Mit dem Großvater liefen wir weiter, hinunter, dorthin, wo das Verbotene begann, und niemand schrie: Pass op de Schoh op! Pass ob de Strömp op! Pass op! Pass op! Niemand, der das Schilfrohr prüfte für ein Stöckchen hinter der Uhr.

...und so beginnt Seite 98.

[Wer die Klei]dersammlung für die Polen übernehmen, wer die Wallfahrt mit dem Bus nach Neviges organisieren sollte, sogar den Christbaumschmuck im Pfarrsälchen habe man besprechen können. Einmal aber sei er wutentbrannt in ihre Küche gestürzt, eine Postkarte in der Hand. Nun sehen Sie sich an, was bei den Trösters am Küchenschrank steckt! Esch woß diereck, wat los wor, sagte die Großmutter. Liesbeth Mauss war vor einigen Tagen durchs Dorf gezogen mit Hitlerbildern in unterschiedlichen Größen. Um die Frau schnell wieder aus dem Haus zu haben, habe auch sie ihr eine Postkarte abgekauft und geschwankt, ob sie sie gleich ins Feuer werfen oder lieber hinters Vertiko stecken sollte, um im Ernstfall etwas parat zu haben für Goldfasan und Kompanie. Hi em Herd hät de Böhm die Kaad von dä Trösters verbrannt, triumphierte die Großmutter.
Last.fm spielt: Free of Hope - Indigo Girls

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