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13
Jan
2007

Gelesen: Nachtzug nach Lissabon (Pascal Mercier, 2004)

abgelegt unter: Mediales

Nicht nur das Kinojahr beginnt erfreulich, sondern auch mein literarisches Jahr 2007. Nun bin also auch wieder aus Lissabon zurückgekehrt und fand es alles in allem doch ein sehr großes Vergnügen. Gen Ende fande ich zwar, dass sich einiges aus Prados Buch zu sehr wiederholt hat und einige Gedanken waren mir dann doch zu hoch oder zu fremd, andere Gedanken aber waren mir sehr vertraut und einfach so wahr.
Mir hat auch die dramaturgische Idee sehr gut gefallen, dass eigentlich ja sogar zwei Geschichten erzählt werden oder man zwei Leben verfolgt: das von Gregorius und das von Prado. Und in beiden Fällen ist man wirklich dran interessiert, den Menschen dessen Leben man verfolgt kennenzulernen und zu verstehen. Ein ungewöhnliches Buch. Schön.
So beginnt die Geschichte...

Der Tag, nach dem im Leben von Raimund Gregorius nicht mehr sein sollte, wie es zuvor war, begann wie zahllose andere Tage. Er kam um Viertel nach acht von der Bundesterrasse und betrat die Kirchfeldbrücke, die vom Stadtkern hinüber zum Gymnasium führt. Das tat er an jedem Werktag der Schulzeit, und es war immer Viertel vor acht. Als die Brücke einmal gesperrt war, machte er nachher im Griechischunterricht einen Fehler. Das war vorher nie vorgekommen, und es kam auch nachher nie mehr vor. Die ganze Schule sprach tagelang nur von diesem Fehler. Je länger die Diskussion darüber dauerte, desto zahlreicher wurden diejenigen, die ihn für einen Hörfehler hielten. Schließlich gewann diese Überzeugung auch bei den Schülern, die dabeigewesen waren, die Oberhand. Es war einfach nicht denkbar, dass Mundus, wie alle ihn nannten, im Griechischen, Lateinischen oder Hebräischen einen Fehler machte.
...und so beginnt Seite 98.

[...den Rücken meines] Vaters über das Grab hinaus begradigen oder durch einen rückwärts gewandtes, magisches Wirkungsgesetz dafür sorgen, dass sein Leben weniger gebeugt und schmerzgeknechtet wäre, als es tatsächlich war - als könnte ich durch meine gegenwärtige Anstrengung die gequälte Vergangenheit ihrer Tatsächlichkeit entkleiden und sie durch eine bessere, freiere ersetzen.

Kommentare zu diesem Eintrag:

TM (anonym) - Di, 23.01.07, 19:01
Das liegt hier auch noch rum - aber ich komme ja irgendwie schon seit Monaten nicht mehr zum lesen und erst recht nicht mehr dazu, es zu rezensieren. Aber es liegt hier und nach Deiner Einschätzung freu ich mich wieder drauf!

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