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19
Aug
2005

Befremdliche Papa-Manie?

abgelegt unter: Gemischte Tüte

Ich weiß, es ist etwas Besonderes wenn der Papst zu Gast in unserem Land ist. Ich verstehe die Freude und Aufregung der Bevölkerung, die strengen Sicherheitsvorkehrungen und die ausufernde Berichterstattung. Immerhin ist der Papst einer der wichtigsten Menschen – gesellschaftlich und politisch – dieser Welt und dazu nach fast 1000 Jahre wieder mal deutscher Herkunft, da ist es klar, dass das etwas außergewöhnliches ist.
Was die Menschen dann aber dazu bewegt sich bei diesem Wetter 10 Stunden an eine Straßenabsperrung zu stellen um dann 5 Sekunden einen Blick darauf zu haben, wie ein fast 80jähriger Mann hinter Panzerglas an einem vorbeifährt, ist mir einfach fremd. Und das sage ich, die als Fan diverser Popbands, Eishockey Mannschaften oder Schauspieler schon auch einige verrückte Sachen gemacht hat, die anderen Menschen sicher auch total fremd sind ;-) Auch wenn es jetzt sehr oberflächlich klingt, aber wenn sich jemand 10 Stunden an einen roten Teppich stellt um einen Blick auf seinen Star zu erhaschen, kann ich das eher nachvollziehen als jetzt beim Papst. Und das hat nicht unbedingt was damit zu tun, dass ich (zwar katholisch getauft, aber) nicht besonders gläubig bin. Sondern einfach damit, dass ich nicht verstehe, wie man einem Menschen nur aufgrund seiner Funktion so verehren kann. Gibt es einem wirklich schon was, dass man dem „Papst“ ganz nah war? Unabhängig von der Person des Papstes? Es ist mir einfach ein großes Rätsel.
Denn Benedikt XVI hat in seiner Amtszeit bisher noch nicht wirklich mit irgendwas Besonderem auf sich aufmerksam gemacht. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger. Wurde der vor 20 Jahren aber bei seinem Amtsantritt auch so bejubelt? Oder hat sich das bei Johannes Paul II nicht viel mehr aufgrund seines Wirkens so entwickelt? Irgendwie hab ich den Eindruck, dass diese ganze Begeisterung so ein bisschen ein Selbstläufer geworden ist, also ein Sog, dem sich (gerade auch vor Ort) niemand mehr entziehen kann und der von den Medien natürlich extrem unterstützt und sogar auch erzeugt wird. Die Schreiberlinge der BILD Zeitung, die jetzt diesen Papst Besuch so dermaßen feiern, möchte ich gerne an gewisse christliche Grundsätze (wie fairen Umgang mit seinen Mitmenschen) erinnern, sobald sie mit einer reißerischen Titelgeschichte mal wieder jeglichen Anstand und Moral vergessen lassen.
Und wenn ich im Fernsehen sehe, dass die Leute dort an der Straße oder vor dem Dom nicht dem lauschen, was der Papst sagt und sich das irgendwie zu Herzen nehmen, darüber nachdenken oder eben inne halten oder sonst was... sondern alle nur ihre Digi-Cam oder ihr Foto-Handy hochhalten, dann fühle ich mich in meiner Befremdlichkeit doch sehr gestärkt. Aber jeder Jeck ist anders, wie man in Köln so schön sagt.

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