Wieso entdecke ich Sven Regener erst jetzt ?!?!
abgelegt unter: FundstueckeIch weiß gar nicht mehr so, warum ich damals "Herr Lehmann" nicht gelesen habe. Vielleicht weil ich irgendwie dachte, dass mich die Geschichte dieses Typen einfach nicht interessiert. Deswegen hab ich natürlich auch "Neue Vahr Süd" gar nicht erst gelesen. Und irgendwie bin ich außerdem immer etwas skeptisch, wenn ein Autor von allen Seiten so gelobt wird. Dumm, ich weiß. Wobei mich meine Meinung bei Frantzens "Korrekturen" nicht getrügt hat, die Geschichte fand ich furchtbar und hab auch nach 100 Seiten (oder so) aufgegeben.
Jetzt hab ich aber doch mal mit "Neue Vahr Süd" angefangen, auch wenn das ja eigentlich das 2. Buch ist, aber ich lese Geschichten einfach lieber chronologisch. Auch so eine Macke von mir : -). Aber diese Geschichte ist einfach ZU WITZIG! Also alles einfach, die Charaktere, die Story, die Dialoge und ganz einfach auch, wie Sven Regener es erzählt. Ganz große Klasse! Ich kann’s kaum aus der Hand legen seit gestern und bin ganz sprachlos und schwer beeindruckt von solchen Texten:
[....] Aber auch jetzt, im ersten wirklich ruhigen Moment, seit er in der Kaserne war, fiel ihm das nicht leicht. Kein Wunder, dass keiner was sagt, dachte er wieder, aber das brachte ihn dabei natürlich nicht weiter, das ist innere Metadiskussion, dachte er, einen Begriff benutzend, den Martin Klapp neuerdings gerne benutze, ich denke mehr über das Nachdenken und über Martin Klapp nach, dachte er, als über das, worum es eigentlich geht, es ist schwer, sich beim Nachdenken zu konzentrieren, dachte er, wenn man gleichzeitig über das Nachdenken nachdenkt, kann man sich schlecht konzentrieren, komisch aber wahr, dachte er, dabei ist es wichtig, sich das alles mal in Ruhe durch den Kopf gehen zu lassen, versicherte er sich selbst, und darüber fiel ihm ein Film ein, den er neulich, in seinem früheren Leben als Zivilist, im Fernsehen gesehen hatte, irgend etwas mit einem deutschen U-Boot am Ende des Zweiten Weltkriegs, da waren zwei Japaner drauf gewesen, die Selbstmord begehen wollten, und der eine hatte gesagt "Das Leben ist kurz", und der andere hatte gesagt "Ja, kaum Zeit zum Nachdenken", und dann hatten beide geweint und sich umgebracht. Das ist aber auch keine gute Lösung, dachte Frank jetzt, das ist irgendwie unlogisch, sie hätten ja noch ein bisschen warten können mit dem Sichumbringen, dachte er und in der Zeit hätten sie noch ein bisschen nachdenken können, dachte er, aber das brachte ihn auch nicht weiter, so geht das nicht, dachte er, so kommt man nicht weiter mit dem Nachdenken, wenn man sich ständig selber ablenkt dabei [....]
Jetzt hab ich aber doch mal mit "Neue Vahr Süd" angefangen, auch wenn das ja eigentlich das 2. Buch ist, aber ich lese Geschichten einfach lieber chronologisch. Auch so eine Macke von mir : -). Aber diese Geschichte ist einfach ZU WITZIG! Also alles einfach, die Charaktere, die Story, die Dialoge und ganz einfach auch, wie Sven Regener es erzählt. Ganz große Klasse! Ich kann’s kaum aus der Hand legen seit gestern und bin ganz sprachlos und schwer beeindruckt von solchen Texten:
[....] Aber auch jetzt, im ersten wirklich ruhigen Moment, seit er in der Kaserne war, fiel ihm das nicht leicht. Kein Wunder, dass keiner was sagt, dachte er wieder, aber das brachte ihn dabei natürlich nicht weiter, das ist innere Metadiskussion, dachte er, einen Begriff benutzend, den Martin Klapp neuerdings gerne benutze, ich denke mehr über das Nachdenken und über Martin Klapp nach, dachte er, als über das, worum es eigentlich geht, es ist schwer, sich beim Nachdenken zu konzentrieren, dachte er, wenn man gleichzeitig über das Nachdenken nachdenkt, kann man sich schlecht konzentrieren, komisch aber wahr, dachte er, dabei ist es wichtig, sich das alles mal in Ruhe durch den Kopf gehen zu lassen, versicherte er sich selbst, und darüber fiel ihm ein Film ein, den er neulich, in seinem früheren Leben als Zivilist, im Fernsehen gesehen hatte, irgend etwas mit einem deutschen U-Boot am Ende des Zweiten Weltkriegs, da waren zwei Japaner drauf gewesen, die Selbstmord begehen wollten, und der eine hatte gesagt "Das Leben ist kurz", und der andere hatte gesagt "Ja, kaum Zeit zum Nachdenken", und dann hatten beide geweint und sich umgebracht. Das ist aber auch keine gute Lösung, dachte Frank jetzt, das ist irgendwie unlogisch, sie hätten ja noch ein bisschen warten können mit dem Sichumbringen, dachte er und in der Zeit hätten sie noch ein bisschen nachdenken können, dachte er, aber das brachte ihn auch nicht weiter, so geht das nicht, dachte er, so kommt man nicht weiter mit dem Nachdenken, wenn man sich ständig selber ablenkt dabei [....]
Do, 22.09.05, 15:40 Uhr
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